Oxymoron

Ich mag diesen Begriff. Dahinter steckt eine Formulierung aus zwei gegensätzlichen, einander widersprechenden Begriffen z.B. ein „Schwarzer Schimmel. Das Wort Oxymoron ist selbst auch eins – es bedeutet übersetzt so viel wie: „Scharfsinnige Dummheit“. Seit diesem Sonntag könnte man vielleicht noch „Brutalen Frieden“ in die Liste aufnehmen ☺

cat_shadowEin biblisches Beispiel wäre: „…denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“ 2Kor. 12,10
Auf dieses Prinzip stoßen wir in unserer aktuellen Predigtserie immer wieder und für christlich konditionierte Ohren klingt das auch gleich irgendwie richtig. Doch als nach der letzten Predigt eine Person genauer nachfragte, wurde mir wieder bewusst, dass dieses Prinzip in der praktischen Umsetzung doch nicht so einfach ist, wie es im ersten Moment scheint und einige Fragezeichen hervorruft. Ich bin immer froh, wenn Menschen mitdenken und auch biblische Prinzipien nicht einfach schlucken, sondern sie so lange „durchkauen“ bis sie auch im Herzen richtig „verdaut“ werden und ihre Kraft entfalten können.

Wie soll man sich denn z.B. seiner Schwachheit rühmen, wenn dann das Endergebnis doch wieder Stärke ist? Wie bekomme ich das hin, ohne eine geistliche Rolle rückwärts zu machen? Ist nun das Ziel schwächer, oder stärker zu werden?
Wenn es stimmt, dass Gott besonders stark durch unsere Schwachheiten wirkt, wäre es dann nicht konsequent Menschen mit den schwächsten Begabungen im Reich Gottes einzusetzen? Also ab morgen alle ins Worshipteam einzuladen, die unmusikalisch sind und die predigen zu lassen, die die meiste Bühnenangst haben? Bezieht sich Schwachheit auch auf Krankheit – und wenn ja, gibt es dann keinen Konflikt, ob ich diese Schwachheit annehmen soll, oder im Gebet um Heilung bete?

Ich denke, dass wir dieses (scheinbare) Oxymoron nur aus dem Geheimnis verstehen können, dass wir durch den Glauben „in Christus“ sind. Hier gilt grundsätzlich der Ansatz, den Johannes der Täufer so fomuliert hat: Er muss wachsen – ich aber abnehmen (Joh. 3,30). Das bedeutet doch, dass Jesus und sein Einfluss in meinem Leben stärker und meine alte Identität ohne Christus schwächer werden soll.
Ja wir sollen als Christen an Stärke und Kraft zunehmen – aber diese Stärke eben nicht in uns selbst finden, sondern in der Verbindung mit Christus. Wir sollen stark werden in der Gnade (2Tim. 2,1). Wir sollen stark werden im Herrn und in der Macht seiner Stärke (Eph. 6,10).

Ich glaube nicht, dass sich Schwachheit auf unsere Begabungen beziehen lässt. Die von Gott geschenkten Gaben und Talente sollen wir mutig einsetzen und fördern und auch neue Fähigkeiten dazu lernen. Wir sind aufgefordert Gott mit unserem ganzen Verstand anzubeten und das bedeutet doch, dass das Christentum für das Studieren und Erforschen der Geheimnisse dieser Welt ist. Die Schwachheit durch falsche Demut zu zelebrieren ist sicher falsch. Doch gleichzeitig gilt auch, dass wir uns nicht auf unseren Verstand stützen sollen, sondern auf den Herrn (Spr. 3,5), dass wir gerade in unseren Stärken erkennen sollen, dass wir von Gott abhängig sind und eine Armut im Geist kultivieren sollen (Mt. 5,3). Vielleicht sollten wir lernen, gerade in den Bereichen, wo wir uns stark fühlen, durch Gebet diese innere Abhängigkeit von Gott immer wieder zum Ausdruck zu bringen.

Die Schwachheit, von der die Bibel spricht, sollten wir auch nicht eins zu eins mit körperlicher Schwäche und Krankheit gleichsetzen – weil es sonst tatsächlich keinen Sinn macht zum Arzt zu gehen oder für Heilung zu beten. Doch natürlich begegnet uns Gott auch in diesen Zeiten mit Seiner Kraft und prinzipiell gibt es hier Überschneidungen.

Neben Gebet als hilfreicher geistlicher Disziplin, ging es diesen Sonntag um eine weitere, ganz praktische Übung, wie wir uns darin einüben können, Gottes Kraft in unserer Schwachheit zu erleben: Dem Sabbatprinzip: „Am Sabbat umarmen wir unsere Begrenzungen. Wir verabschieden uns von der Illusion, dass wir unverzichtbar sind, was den Lauf dieser Welt angeht. Wir anerkennen, dass wir mit unseren Zielen und Projekten nie ganz fertig werden und dass Gott auf dem Thron sitzt und die Welt auch ganz gut ohne unsere Hilfe regieren kann.“

Die praktischen Anregungen aus der Predigt, wie wir unseren Sabbat gestalten können, findest du in der Präsentation auf der Webseite. Ich möchte dich ermutigen diese Fragen für dich selbst, gemeinsam mit deiner Familie oder in der Kleingruppe zu bewegen.

In diesem Sinne eine „starke“ Woche!

Euer Wolfie

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